Evangelische Kirche wohin? - Ergebnisse der neuesten Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft

Textveröffentlichung: April 2014

Alle 10 Jahre untersucht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Mitgliederentwicklung. Im März 2014 gab es die neuesten Ergebnisse. Was zu befürchten war, ist jetzt belegt: die Evangelischen im Land werden weniger. Das ist zum einen die Folge des "demographischen Wandels": die Geburtenzahlen wiegen die Sterbefälle bei weitem nicht mehr auf. Zum anderen aber müssen wir zur Kenntnis nehmen - und das ist das eigentlich Bedrückende - dass "ein gefestigter Unglaube" sich in der Bevölkerung ausweitet. Die Feststellung "Ich brauche keine Religion und keine Gott für mein Leben" ist in beängstigendem Vormarsch. Die Bindungskraft nicht nur der Kirche, sondern des Glaubens überhaupt lässt zunehmend nach. Bei der jungen Generation der 14 bis 21 Jährigen gibt nur noch jeder zweite an, er sei in der Familie mit Religion in Berührung gekommen; zu erwarten ist danach, dass die nächste Generation eine noch geringere Verankerung im christlichen Glauben haben wird.

Bischof Huber, der frühere Ratsvorsitzende der EKD, empfiehlt als Konsequenz aus diesem Befund, dass die Kirche sich stärker auf ihr "Kerngeschäft" konzentrieren muss. Denn die Kirche wird nicht in erster Linie als Landeskirche oder als Kirchenbezirk wahrgenommen, sondern als Gemeinde am Ort, insbesondere vertreten durch die Pfarrpersonen. Überragende Bedeutung haben die Kasualien, also Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung, wo es zu persönlicher Begegnung mit dem Pfarrer/der Pfarrerin kommt und dadurch lockere, aber durchaus bleibende Verbindungen entstehen, die die Betreffenden in der Kirche halten.

Auf diesem Hintergrund sind die landesweit betriebenen strukturellen Veränderungen der Pfarreien meines Erachtens skeptisch zu beurteilen. In den angestrebten Großgemeinden würden die persönlichen Berührungspunkte der Gemeindeglieder mit "ihrem" Pfarrer noch seltener, zumal der Pfarrer nicht überall präsent sein würde.

Beispiel:

Wenn Zell, sagen wir mal, mit Schönau und möglicherweise mit Todtnau/Todtnauberg zusammen ging, hätte der Pfarrer ein Gebiet von rund 160 Quadratkilometer zu versorgen, fast eine Unmöglichkeit; ist es doch schon für das Pfarramt Zell mit 56 Quadratkilometer ausgesprochen schwierig; die schwache Beteiligung der Außenorte an der zurückliegenden Wahl der Kirchenältesten zeigt es deutlich!

 

Nötig wäre es stattdessen, möglichst überschaubare Kirchengemeinden zu erhalten und sich eben bewusst auf die "Kernaufgaben" zu beschränken. Für Zell geht es in diesem Zusammenhang darum, dass die Pfarrstelle möglichst bald besetzt würde, bevor die Kirchengemeinde womöglich in einer großen Seelsorgeeinheit aufgeht und dann keinen eigenen Pfarrer mehr hat. Allerdings lässt die relativ geringe Beteiligung der derzeit noch 1.200 Zeller Gemeindeglieder an den Gottesdiensten und sonstigen Angeboten der Kirchengemeinde befürchten, dass die Entwicklung im oberen Wiesental ähnlich verlaufen könnte wie drüben im Kleinen Wiesental, das seit neuestem bereits als Großgemeinde organisiert ist. Umso mehr gilt es zu hoffen, dass die Kirchenleitung das Ergebnis der neuen Untersuchung bei ihren strukturellen Planspielen berücksichtigt!

Verfasser des Textes: Pfr. i.R. H.J. Demuth