Kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Partner?

Auf ihrer Frühjahrstagung hat die Landessynode nach heftiger Diskussion mit deutlicher Mehrheit beschlossen, dass ab sofort auch in der badischen Kirch - wie in mehreren deutschen Landeskirchen bereits üblich - vollgültige kirchliche Trauungen gleichgeschlechtlicher Partner möglich sind. Damit soll deutlich signalisiert werden, dass Gemeindemitglieder mit dieser sexuellen Orientierung nicht aus der Gemeinschaft der Kirche ausgegrenzt werden, dass auch ihnen die Zuwendung Gottes gilt und sie der Erlösung durch Christus teilhaftig sind.

Bei allem Respekt gegenüber der Ernsthaftigkeit gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gibt es jedoch massive Vorbehalte gegen ihre Gleichstellung mit der Ehe heterosexueller Partner. Diese Vorbehalte gründen darin, dass in der Bibel Homosexualität als nicht dem Schöpfungsakt Gottes entsprechend abgelehnt wird.

1. Mose 1 und 2 gehen davon aus, dass die von Gott gewollte Partnerschaft Mann und Frau meint; besonders der jüngere Text (2. Mose 1) unterstreicht das in grundsätzlicher Weise. 1. Mose 1,26 formuliert: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. Und er schuf ihn als Mann und Frau".

Mann und Frau gemeinsam werden als das "Bild Gottes" verstanden; beide gemeinsam spiegeln Gott wider; beide gemeinsam sollen und können dem Wesen Gottes entsprechen; in beiden gemeinsam wirkt Gottes "Odem" (Geist) und ermöglicht das Leben (1. Mose 2,7); in beiden gemeinsam will der Gott des Lebens sich verwirklichen; in der Weitergabe des Lebens bekommt der Mensch Anteil an der Schöpferkraft Gottes, und das macht die Würde der Partnerschaft von Menschen aus. Die Freude an der Sexualität wird in der Bibel unkompliziert bejaht (s. das "Hohe Lied" der Liebe), aber sie wird nicht isoliert und für sich gesehen, sondern einbezogen und eingebettet in den Schöpfungszusammenhang.

Natürlich gibt es und gab es schon immer gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen, und sie sind nicht schlechtesten, und sie sind nicht zu diffamieren, zu dämonisieren oder mit Strafen irgendwelcher Art zu verfolgen. Aber sie können nicht als Norm dienen, es sind Ausnahmen von der Norm - in Deutschland etwa 2% + einer gewissen Dunkelziffer. Kirchliche Trauungen aber verleihen ihnen einen normativen Charakter, der den Äusserungen der Bibel in Sachen Homosexualität nicht entspricht.

Aus diesen Erwägungen wird von vielen Theologen und von vielen Gemeindegliedern die kirchliche (und auch gesellschaftliche) Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Ehe und Familie kritisch gesehen und abgelehnt.

Die Landessynode trägt diesen Bedenken durch den Zusatzbeschluss Rechnung, dass kein/e Pfarrer/in gezwungen wird, gleichgeschlechtliche Trauungen zu vollziehen, wenn er sie für unbiblisch hält.

Verfasser des Textes: Pfr. i. R. H.-J. Demuth (28.04.2016)