Gehört der Islam zu Deutschland?

Textveröffentlichung: 28.01.2015

Nein, „der Islam“ gehört nicht zu Deutschland! Seit der Schlacht von Tours und Poitiers (kurz vor Paris!) im Jahre 711 n.Chr., in der Karls d.Gr. Großvater Pippin die Araber besiegt hat, ist diese Frage eigentlich geklärt. Die späteren Versuche der Osmanen 1529 und 1683, das Abendland zu unterwerfen und dem Islam zuzuführen,  sind jeweils vor Wien gescheitert und beschränkten sich danach auf Bosnien, das Kosovo und Albanien. Das übrige (West- und Mittel-) Europa blieb vom Christentum geprägt. Daran änderte sich auch in und nach der „Aufklärungszeit“, die den normativen Status der christlichen Religion abgebaut hat, nichts. Immer noch fußen unsere Überzeugungen, die Verfassungen unserer westlichen Staaten, unser ethisch-moralischer Verhaltenskodex auf dem Christentum.

Auf diesem Hintergrund zu behaupten, „der Islam“ gehöre zu Deutschland, ist entweder geschichtsvergessene Unkenntnis oder gewollte Verdrehung der historischen Tatsachen.

Wohl aber gehören viele 100.000 Muslime zu Deutschland. Sie leben hier seit Jahrzehnten (vor allem Türken), haben das Land mit aufgebaut und zu seinem Wohlstand mit ihrer Lebens- und Arbeitskraft beigetragen. Unsere Gesellschaft hatte sie eingeladen und als „Gastarbeiter“ willkommen geheißen. Nun sind sie aber hier geblieben, ihre Kinder sind hier geboren, zum Teil hier verheiratet. Diese Menschen gehören selbstverständlich zu Deutschland!

Allerdings haben sich viel zu wenige von ihnen richtig integriert. Es gibt großartige gelungene Beispiele, wie es hätte „laufen“ können, auch ohne das Wissen um die Herkunft und ohne die religiöse Prägung durch die islamische Religion aufzugeben und doch dabei die Wertvorstellungen des neuen Heimatlandes mit zu tragen und die deutsche Verfassung voll zu respektieren. Leider ist das zu selten gelungen. Vielerorts haben sich ghettoartige subkulturelle Wohnviertel entwickelt; die Schulbildung der jungen Mitbürger mit Migrationshintergrund lässt sehr zu wünschen übrig; die deutsche Sprache ist zu Hause nicht in Gebrauch; die Arbeitslosigkeit ist in dieser Bevölkerungsgruppe überdurchschnittlich hoch; das kriminelle Potential steigt und beunruhigt den Rest des Landes …

Da haben, fürchte ich, alle versagt: die staatlichen Stellen, die zu wenig Anreize zur Eingliederung gegeben haben; die Organisationen der Zuwanderer, die die Abschottung fördern;  die Neubürger aus den anderen Ländern selbst, weil sie sich verweigern; und die deutsche Bevölkerung, weil sie zu wenig offen ist und sich von den Zuwanderern ebenso abwendet wie diese sich vor ihr verschließen. Das muss sich ändern, sonst kommen wir aus dieser Zwickmühle nicht heraus.

Es muss unser Anliegen sein, den Neubürgern das Gefühl und die Überzeugung zu vermitteln, dass sie in Deutschland willkommen sind und dazu gehören. Aber ohne vorbehaltlose Integration ihrerseits geht das umgekehrt auch nicht. Aber: Wo es gelingt, ist klar – Muslime gehören zu Deutschland, der Islam als solcher und als Religion allerdings nicht. Keinesfalls. 

Verfasser des Textes: Pfr. i. R. H.J. Demuth / 28.01.2015