Kirchensteuer ? - Kirchensteuer !

In den zurückliegenden Monaten gab es große Verunsicherung und Verwirrung wegen der Kirchensteuer auf Zinserträge, was zu einer ziemlichen Austrittswelle geführt hat. Zu der Problematik "Kirchensteuer" deshalb ein paar grundsätzliche Informationen und Erwägungen.

Erstens zu der Kirchensteuer auf Zinserträge:

Schon seit 2009 erhebt der Staat auf Zinserträge eine Abgabe, die sog. "Abgeltungssteuer". Sie beträgt 25% auf die erwirtschafteten Zinsen. Von diesen 25% sind dann für Kirchenmitglieder noch einmal 8% Kirchensteuer zu berechnen. Bisher hat die Bank nur die Abgeltungssteuer einbehalten und an die Staatskasse abgeführt; die auf die Abgeltungssteuer fällige Kirchensteuer konnte die Bank nicht einbehalten, da sie ja nicht wusste, welcher Kunde Kirchenmitglied ist und bei welcher Kirche. Bisher hat deshalb das Finanzamt die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer im Zuge der Steuererklärung, wo beim Formular KAP die Zinserträge anzugeben sind, gegen ein Gebühr berechnet, mit den übrigen Steuern eingezogen und an die jeweilige Kirche weitergeleitet.

 

Neu ist nun, dass die Bank mit der Abgeltungssteuer auch gleich die darauf fällige Kirchensteuer einbehalten soll, um die Finanzämter zu entlasten. Dazu muss die Bank aber erfahren, wer von ihren Kunden Kirchenmitglied bei welcher Kirche ist. Wer nicht will, dass seine Bank diese persönlichen Daten erfährt, konnte gegen die Übermittlung dieser Daten Einspruch erheben. Dann bleibt alles beim Alten: Bei der Steuererklärung muss auf dem Formular KAP der Zinsertrag angegeben werden, das Finanzamt berechnet daraus die entsprechende Kirchensteuer und gibt sie abzüglich einer Bearbeitungsgebühr an die Kirche weiter.

Beispiel:

Angenommen, ein Kirchenmitglied erwirtschaftet mit seinem angelegten Kapital 500 € Zinsen im Jahr, dann muss er 125 € Abgeltungssteuer an den Staat zahlen. Die Kirchensteuer auf diese 125 € beträgt noch einmal 8% davon, also 10 €. Das Kapital selbst wird natürlich nicht angetastet

 

Wer nun allerdings seinen Zinserlös bei der Steuererklärung nicht angegeben hat, weil er vielleicht meinte, die Bank habe die Steuer ja bereits einbehalten, der hat unabsichtlich oder auch wissentlich die Kirchensteuer gespart. Das geht nun nicht mehr. Ob allerdings der relativ geringe Kirchensteuerbetrag auf den Zinserlös (in unserem Beispiel als 10 € im Jahr) ein Grund ist, aus der Kirche auszutreten, muss ein jeder mit sich selbst ausmachen.

Zweitens zur Kirchensteuer überhaupt:

Sie ist der Beitrag der Kirchenmitglieder zur Finanzierung ihrer Kirche und Kirchengemeinde. Die Kirchensteuer beträgt 8% auf die Lohn- bzw. Einkommensteuer. Es ist eigentlich ein moderater Solidarbeitrag derer, die Arbeit haben und Lohn/Gehalt beziehen, für alles, was Landeskirche und Kirchengemeinden zu finanzieren haben (z.B. Gehälter/Löhne der Mitarbeiter, Gebäudeunterhaltung, Heizkosten etc., Konfirmandenunterricht, Jugendarbeit, Seniorenarbeit, auch Kindertagesstätten, Erziehungsheime, Behindertenwerkstätten, Krankenhäuser und dergleichen, die trotz erheblicher staatlicher und kommunaler Zuschüsse auch mit Kirchensteuergeld finanziert werden müssen).

 

Diese Kirchensteuer (also 8% auf die Lohnsteuer, nicht etwa auf den Lohn) zieht das Finanzamt in Amtshilfe gleich mit ein, wofür es mit 4% des Kirchensteueraufkommens bezahlt wird. Das Finanzamt leitet die Kirchensteuer minus diesem 4%-Anteil an die Kirchen weiter.

Das ist praktisch, weil so die Kirche/Kirchengemeinde keinen eigenen Steuererhebungsapparat benötigt, der nicht 4% vom Steueraufkommen kosten würde, sondern - wie wir aus den Erfahrungen in der ehemaligen DDR sehr genau wissen - etwa 36% der Kirchensteuer verschlingen würde. Die Kirchen haben deshalb begreiflicherweise ein Interesse daran, dass das Finanzamt auch weiterhin in Amtshilfe die Kirchensteuer einbehält und an die Landeskirche weiterleitet, die dann ihrerseits nach einem bestimmten Schlüssel den Kirchengemeinden Geld zuweist.

Verfasser des Textes: Pfr. i.R. H.J. Demuth