PEGIDA - nur ein rechtsradikale Bewegung?

Mit PEGIDA und ähnlichen Bewegungen muss man sich auseinandersetzen. Ob es allerdings damit getan ist, die dort zweifellos vorhandene Fremden- und insbesondere Islamfeindlichkeit zu bekämpfen, ist sehr fraglich.

Angesichts des geringen Ausländeranteils gerade in Dresden, was ein solches Aufwallen kaum verstehbar macht, und angesichts der Teilnahme ganz "normaler" Bürger ohne rechtsradikalen Hintergrund, muss noch etwas anderes unterschwellig brodeln und sich mit diesen Demonstrationen Bahnbrechen.

Wir beobachten schon lange eine bedrohlich wachsende Politikverdrossenheit. Die Beteiligung an Wahlen wird immer geringer, so dass die Gewählten nur noch eine Minderheit der Bevölkerung repräsentieren. Das Wahlvolk fühlt sich verschaukelt und nicht ernst genommen und nicht gefragt. Selbst in unserem doch gut geordneten Ländle ist das spürbar.

Da ist die Landesregierung angetreten mit dem erklärten Programm, den Bürgerwillen zu hören und stärker in die Entscheidungen einzubinden. Aber dann wird trotzdem über die Bedenken der Menschen hinweggegangen -aus ideologischen Gründen.

Die Bürgerproteste hinsichtlich des neuen Lehrplans in den Schulen- Stichwort "Sexuelle Vielfalt" als Unterrichtsthema, die Proteste gegen die gezielte Umstrukturierung der Schullandschaft durch massive finanzielle Förderung der Einheitsschule, die Nichtbeachtung des Abstimmungsergebnisses bei der Etablierung des Nationalparks Nordschwarzwald u.a. sind solche Punkte, die das Gefühl srken: Die da oben machen eh, was sie wollen; na, sollen sie -aber ohne mich!

Der demographische Wandel verbreitet Sorge und Unsicherheit. Wer soll die Renten in Zukunft erwirtschaften, wenn es immer weniger Kinder gibt? Kann gezielte Zuwanderung das ausgleichen? Das würde bedeuten, sich doch stärker zu öffnen für Menschen aus anderen Ländern.

Aber da schürt der aggressive Islamismus Überfremdungsängste. Geheime Praktizierung von Scharija-Vorschriften im islamischen Recht, die Abwertung der Frau in der Öffentlichkeit, die Zwangsverheiratung junger und ganz junger Mädchen lassen das Unbehagen wachsen. Terrorismus im Irak, in Syrien, in Afrika machen Angst; der schreckliche Anschlag in Paris zeigt, wie nah das alles auch für uns ist. Es ist gut, dass mehrere islamische Vereinigungen deutlich feststellen: Terrorismus ist mit der islamischen Religion nicht vereinbar. Das stimmt! Aber dennoch wird in vielen deutschen Moscheen das Gedankengut des "Islamischen Staates" (IS) vertreten und gefördert.

In manchen unserer Kindergärten wird gefordert, die christlichen Feste. nicht mehr mit den Kindern zu begehen oder anders zu gewichten, um Konfessionslose oder Angehörige einer anderen Religion nicht vor den Kopf zu stoßen. So wird z.B. vielerorts aus dem St.Martin-Umzug mit seiner christlichen Botschaft (Mantelteilung!) ein harmloses herbstliches Lichterfest. Kruzifixe in unseren "christlichen Gemeinschaftsschulen", in den Rathäusern und Gerichtssälen stoßen q,uf Widerstand kleiner Gruppen, die sich durch den Anblick des Gekreuzigten geistlich vergewaltigt fühlen.

Was Wunder, wenn dagegen demonstriert wird! PEGIDA ist eine Gefahr, weil kleine rechtsradikale Gruppierungen dieses allgemeine Unbehagen "auf ihre Mühlen" lenken. So war das um 1930 übrigens schon mal in unserem Land; darum gilt Wachsamkeit und entschlossenes Entgegenwirken. Aber bloße Verteufelung wird nicht genügen. Regierung und Parteien, Kirchen, Verbände und Vereine wären vermutlich gut beraten, das unterschwellige Brodeln zu analysieren und die Ursachen für das PEGIDA-Phänomen zu beseitigen.

Verfasser des Textes: Pfr. i. R. H.J. Demuth



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