31. Oktober - Thesenanschlag Luthers 1517

Textveröffentlichung: August 2014

Im Laufe der Jahrhunderte war es in der Kirche zu einer Reihe von Missständen gekommen, die zu großer Unzufriedenheit und Kritik im Volk führten.

  • Da war der politische Machtanspruch des römischen Bischofs, des Papstes. Er war im Mittelalter nicht nur der oberste Bischof und geistliche Führer der Christenheit, sondern zugleich ein politischer Machthaber, so etwa wie ein König. Ein großer Teil Mittelitaliens bildete den "Kirchenstaat", dessen Herr der Papst war. Er führte Kriege wie ein König und er beanspruchte das Recht, den Kaiser zu krönen. Das sollte deutlich machen, dass er über allen anderen Herren stand. Im Streit mit dem deutschen König, wer denn nun die deutschen Bischöfe bestimmen konnte, führte das zu einer über 100 Jahre dauernden Auseinandersetzung. Solche Dinge missfielen den Menschen.
  • Da war Prachtentfaltung der päpstlichen und bischöflichen Hofhaltungen. Während die Bauern unter der Last unmäßig hoher Abgaben zu leiden hatten und es dem einfachen Volk schlecht ging, lebten die Herren, auch die geistlichen Herren, in Saus und Braus. Man fragte sich, wie das mit dem Leben des Herrn Jesus zusammen passte, der so ganz anders war, wie jeder aus den Evangelien wusste.
  • Großen Unmut rief auch die Tatsache hervor, dass man sich geistliche Ämter regelrecht kaufen konnte. So war zum Beispiel zu Luthers Zeit der Erzbischof von Mainz zugleich Bischof von Magdeburg; er stammte aus dem Fürstenhaus von Brandenburg und hatte beide Ämter erhalten, weil er dem Papst eine hohe Geldsumme zum Bau der Peterskirche in Rom gegeben hatte.
  • Das Beichtwesen lag im Argen. Ein Beispiel dafür sind die Ablassbriefe, durch die man sich gegen ein Geldzahlung von den Kirchenstrafen für falsches Verhalten (z.B. eine Wallfahrt machen oder 10 Vaterunser beten o.Ä.) freikaufen konnte. Das Geld, das für die Ablassbriefe bezahlt wurde, ging nach Rom; zu Luthers Zeit wurde damit vor allem der Neubau der Peterskirche finanziert. Diese Praxis war 1517 der Anlass für die berühmten 95 Thesen Martin Luthers über Ablass und Gnade, die der Auslöser für die längst fällige Reformation (=Erneuerung) der Kirche wurden.
  • Der Gottesdienst wurde ausschließlich in lateinischer Sprache gehalten, so dass die einfachen Leute überhaupt nichts verstanden; auch viele Priester konnten kein Latein; sie lasen die Messe einfach herunter, ohne selbst zu verstehen, um was es da ging. Predigten, die die Bibel auslegen, gab es überhaupt nicht.
  • Die Bibel gab es ebenfalls nur auf lateinisch. Die einfachen Leute konnten sie nicht lesen und verstehen, obwohl doch die Heilige Schrift die Grundlage des christlichen Glaubens ist.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde deshalb der Ruf nach einer Reform der Kirche "an Haupt und Gliedern" immer lauter.

Um 1500 war die Zeit einfach reif. Es brauchte nur noch einen, der alle diese Anliegen und Beschwernisse bündeln und mitreißend formulieren konnte. Martin Luther war dieser Mann. Mit seinem Namen ist und bleibt die Reformation der Kirche in Deutschland und darüber hinaus unlöslich verbunden.